Bausparvertrag oder Sparplan — was lohnt sich mehr?

Vergleiche Endkapital, Rendite und Verlauf beider Varianten über die ganze Laufzeit.

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Wie funktioniert ein Bausparvertrag?

Ein Bausparvertrag kombiniert eine Ansparphase mit dem Anspruch auf ein zinsgünstiges Bauspardarlehen. In der Ansparphase werden monatliche Beiträge eingezahlt und mit einem festen, oft niedrigen Guthabenzins verzinst. Sobald ein bestimmter Anteil der Bausparsumme erreicht ist und Mindestbewertungszahlen erfüllt sind, wird der Vertrag zugeteilt — und der Sparer kann ein Darlehen zum heute schon fest vereinbarten Zinssatz aufnehmen. Dafür fällt typischerweise eine einmalige Abschlussgebühr (oft 1–1,6 % der Bausparsumme) an.

Sparplan / ETF — die Alternative

Ein ETF-Sparplan investiert die monatliche Sparrate breit gestreut in Aktien oder Anleihen und nutzt den Zinseszinseffekt. Historisch liegen die Renditen weltweit gestreuter Aktien-ETFs langfristig bei ca. 5–8 % p.a. — allerdings mit Schwankungen. Im Gegensatz zum Bausparen ist die Rendite nicht garantiert, dafür gibt es keine fixe Abschlussgebühr. Auf Gewinne fällt in Deutschland Abgeltungsteuer (26,375 % inkl. Soli) an, allerdings mit Sparerpauschbetrag und Teilfreistellung für Aktien-ETFs.

Welche Variante lohnt sich für wen?

Reine Kapitalrendite betrachtet schlägt ein gut diversifizierter ETF-Sparplan über lange Laufzeiten den Bausparvertrag in den meisten Szenarien deutlich. Der Bausparvertrag spielt seine Stärke aus, wenn man konkret bauen oder kaufen will und sich heute schon einen niedrigen Darlehenszins für die Zukunft sichern möchte — gerade in Phasen mit erwartet steigenden Zinsen. Auch Riester-Bausparen oder Bauspar-Förderung durch Arbeitgeber (VL) können die Rechnung kippen.

Wichtige Hinweise

  • Die Berechnung ist eine Modellrechnung — keine individuelle Anlageberatung.
  • ETF-Renditen schwanken stark — historische Werte sind keine Garantie für die Zukunft.
  • Beim Bausparen kann das Recht auf ein günstiges Darlehen den reinen Renditevergleich übersteigen.
  • Wohnungsbauprämie, Arbeitnehmer-Sparzulage und Riester können den Bausparvertrag deutlich attraktiver machen.

Bauspar oder Sparplan: Worauf es bei der Entscheidung wirklich ankommt

Der Vergleich zwischen Bausparvertrag und ETF-Sparplan ist im Kern ein Vergleich zwischen Sicherheit und Renditechance. Ein Bausparvertrag ist nach dem Bausparkassengesetz reguliert, das angesparte Guthaben unterliegt der gesetzlichen Einlagensicherung von 100.000 Euro pro Kunde und Bank, und der Sparzins ist von Vertragsbeginn an vertraglich fixiert. Im Gegenzug liegen die Guthabenzinsen historisch deutlich unter den Renditen an den Aktienmärkten, oft zwischen 0,1 und 1,5 Prozent pro Jahr. Hinzu kommt die einmalige Abschlussgebühr in Höhe von typischerweise 1,0 bis 1,6 Prozent der Bausparsumme, die das Guthaben in den ersten Jahren spürbar belastet.

Ein ETF-Sparplan auf einen breit gestreuten Welt-Index wie den MSCI World oder FTSE All-World hat in der historischen Rückrechnung über rollierende 15-Jahres-Zeiträume nominal zwischen rund 5 und 9 Prozent pro Jahr geliefert. Diese Rendite ist jedoch nicht garantiert, und einzelne Jahre können Kursverluste von 30 Prozent oder mehr bringen. Wer den ETF-Sparplan in einer Schwächephase auflösen muss, realisiert die Verluste. Genau hier liegt der Punkt: Der Rechner zeigt eine Modellrechnung mit konstanter Rendite — die reale Wertentwicklung ist deutlich volatiler.

Der zweite, oft unterschätzte Aspekt ist das Bauspardarlehen: Wer nach der Ansparphase tatsächlich ein Eigenheim baut oder kauft, kann den heute schon vereinbarten Darlehenszins ziehen — eine Art Zinsversicherung. In einem Hochzinsumfeld (zum Beispiel 2023 mit Bauzinsen von 4 Prozent und mehr) kann dieser Bonus den reinen Kapitalvergleich vollständig kippen. Wer hingegen sicher ist, kein Bauspardarlehen zu brauchen, betrachtet den Vertrag nüchtern als renditeschwaches Sparprodukt mit Gebühren.

Die zugrunde liegende Formel

Beide Sparvarianten werden monatlich aufgezinst. Beim Bausparvertrag wird die Abschlussgebühr im ersten Monat vom Guthaben abgezogen; beim ETF-Sparplan wird die laufende Kostenquote (TER) von der Bruttorendite abgezogen, und am Ende fällt auf den Gewinn die deutsche Abgeltungsteuer an:

BS_t = (BS_{t-1} + Rate - Gebühr_anteilig) * (1 + r_bs/12)
SP_t = (SP_{t-1} + Rate) * (1 + (r_sp - TER)/12)
Endkapital_SP_nach_Steuer = SP_T - max(0, SP_T - eingezahlt) * Steuersatz

Konkrete Beispielrechnungen

Die folgenden Szenarien zeigen, wie unterschiedlich das Endkapital ausfallen kann — bei identischer Monatsrate von 200 Euro.

  • 200 Euro/Monat, 15 Jahre, Bauspar 0,5 % auf 40.000 Euro Bausparsumme bei 1 % Gebühr: rund 36.700 Euro Endguthaben (eingezahlt 36.000 Euro).
  • Gleiches Setup, aber ETF-Sparplan mit 5 % Rendite p. a. und 0,2 % TER: rund 51.300 Euro nach Abgeltungsteuer — gut 14.000 Euro mehr als Bauspar.
  • 200 Euro/Monat, 25 Jahre, ETF bei 7 % p. a.: rund 138.000 Euro netto. Bei nur 1 % Bauspar-Zins liegt der Vertrag im selben Zeitraum bei rund 67.000 Euro.
  • Mit jährlicher Wohnungsbauprämie von 70 Euro und Arbeitnehmer-Sparzulage holt der Bausparvertrag bei kurzen Laufzeiten unter 10 Jahren häufig auf — wird der ETF aber bei langen Laufzeiten von 20+ Jahren kaum schlagen.
  • Stresstest: Crasht der ETF in Jahr 24 um 40 %, schmilzt das Endkapital aus Beispiel 3 auf rund 83.000 Euro. Der Bausparvertrag bleibt stabil — das ist der Wert der Garantie.

Grenzen dieses Rechners

Der Rechner geht von einer konstanten Rendite und einem konstanten Sparzins aus. Echte Kapitalmärkte schwanken stark; das tatsächliche Ergebnis eines ETF-Sparplans kann in einem schlechten Jahrzehnt deutlich unter, in einem guten deutlich über dem Modellwert liegen. Außerdem werden steuerliche Sonderfälle wie der jährliche Sparerpauschbetrag von 1.000 Euro (Stand 2024), die Teilfreistellung von 30 % bei Aktien-ETFs oder die Vorabpauschale nicht abgebildet — die tatsächliche Steuerlast liegt für die meisten Anleger niedriger. Beim Bausparvertrag bleiben Bonuszinsen, Optionen auf nachgelagerte Anschlussverträge und Tarifvarianten mit Wohnungsbauprämie außen vor. Diese Seite ist Information und ersetzt kein persönliches Beratungsgespräch — bei größeren Summen lohnt ein unabhängiger Honorarberater.

Häufige Fragen zum Vergleich Bauspar vs. Sparplan

Lohnt sich ein Bausparvertrag im Jahr 2026 überhaupt noch?
Als reines Sparprodukt selten — die Guthabenzinsen liegen meist unter 1 Prozent, während Tagesgeld und Geldmarkt-ETFs aktuell deutlich mehr bringen. Sinnvoll bleibt der Bausparvertrag, wenn ein konkreter Bau- oder Kaufwunsch in 5 bis 15 Jahren besteht und man sich heute einen Darlehenszins sichern will. In einem Niedrigzinsumfeld kann das die effektive Wohnnebenkosten über Jahrzehnte senken.
Wie hoch ist die Abschlussgebühr beim Bausparvertrag wirklich?
Bei den meisten Bausparkassen liegt sie bei 1,0 bis 1,6 Prozent der Bausparsumme und wird einmalig bei Vertragsabschluss fällig. Bei 40.000 Euro Bausparsumme sind das 400 bis 640 Euro, die zunächst vom Guthaben abgezogen werden. Diese Gebühr ist auch bei Vertragskündigung nicht erstattungsfähig — sie ist ein versunkener Kostenfaktor, der die effektive Rendite vor allem in den ersten Jahren stark drückt.
Was passiert mit meinem ETF-Sparplan, wenn die Börse abstürzt?
Der Wert des Depots sinkt entsprechend — historisch haben breite Welt-Indizes Drawdowns von 30 bis 50 Prozent zwischen Höchst- und Tiefststand erlebt (2000, 2008, 2020). Wer den Sparplan weiterlaufen lässt, kauft in der Krise günstig nach (Cost-Average-Effekt). Wer entnehmen muss, realisiert Verluste. Daher die Faustregel: nur Geld in den ETF, das mindestens 10 bis 15 Jahre nicht gebraucht wird.
Kann ich Wohnungsbauprämie und ETF-Sparplan kombinieren?
Die klassische Wohnungsbauprämie gibt es nur für Bausparverträge und ist an Einkommensgrenzen gekoppelt (zuletzt 35.000 Euro zu versteuerndes Einkommen für Singles). Für Aktien-ETF-Sparpläne gibt es seit der VL-Reform 2024 keine vergleichbare staatliche Förderung. Sinnvoll kann eine Mischstrategie sein: kleiner Bausparvertrag in Prämienhöhe plus separater ETF-Sparplan für den Vermögensaufbau.
Welche Steuern fallen beim ETF-Sparplan in Deutschland an?
Auf realisierte Gewinne und Ausschüttungen fallen 25 Prozent Abgeltungsteuer plus 5,5 Prozent Solidaritätszuschlag (effektiv 26,375 Prozent), gegebenenfalls plus Kirchensteuer. Es gibt einen Sparerpauschbetrag von 1.000 Euro pro Jahr (Stand 2024) und bei Aktien-ETFs eine Teilfreistellung von 30 Prozent — effektiv werden also nur 70 Prozent des Gewinns besteuert. Außerdem gilt seit 2018 die Vorabpauschale, die jährlich einen kleinen Mindestbetrag versteuert.
Was ist sicherer: Bausparvertrag oder ETF-Sparplan?
Der Bausparvertrag ist nominal sicherer — das eingezahlte Kapital schwankt nicht. Inflationsbereinigt hingegen kann auch ein Bausparvertrag real verlieren, wenn die Inflation den Sparzins übersteigt (wie 2022/23 mit über 8 Prozent Inflation). Ein global gestreuter ETF hat über 15+ Jahre historisch nie real Verluste produziert, kann aber zwischenzeitlich stark schwanken. Die ehrliche Antwort: nominell der Bauspar, real langfristig der ETF — bei akzeptierter Volatilität.

Weitere passende Rechner

  • Kreditrechner — Wenn der Bausparvertrag in der Darlehensphase ist: monatliche Rate und Tilgungsplan berechnen.
  • Zinseszinsrechner — Zeigt den reinen Zinseszinseffekt — ideal, um die Sparplan-Seite des Vergleichs zu verstehen.
  • Persönliche Inflationsrate — Berechne, wie viel Kaufkraft dein Endkapital nach 20 Jahren tatsächlich noch hat.
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