Die offiziellen Werte mitteln alle Haushalte. Deine echte Inflation hängt davon ab, wofür du wirklich Geld ausgibst.
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Die offizielle Inflationsrate (VPI / HVPI) gewichtet jede Ausgaben-Kategorie mit dem Durchschnitt aller Haushalte. Du gibst aber wahrscheinlich nicht 26 % für Wohnen aus — vielleicht 40 %, wenn du in einer Großstadt zur Miete wohnst, oder 15 %, wenn dein Haus abbezahlt ist. Steigen genau in deinen Hauptkategorien die Preise stark, ist deine echte Inflation deutlich höher als die statistische Durchschnittsrate.
Wenn deine persönliche Inflation z. B. bei 5 % liegt, brauchst du eine reale Anlagerendite von über 5 % nach Steuern, um Kaufkraft zu erhalten. Tagesgeld bei 3 % bedeutet konkret: jedes Jahr 2 % real weniger Kaufkraft. Über 10 Jahre summiert sich das auf rund 18 % Verlust — bei 3.000 € Einkommen heute entspricht das in 10 Jahren effektiv ca. 2.460 €. Diversifizierte ETF-Sparpläne oder Sachwerte sind klassische Inflations-Absicherungen.
Die offizielle Inflationsrate ist ein Durchschnitt über alle Haushalte. In Deutschland berechnet das Statistische Bundesamt sie aus dem Verbraucherpreisindex (VPI), der einen festen Warenkorb aus rund 700 Gütern und Dienstleistungen mit jeweils festgelegten Gewichten enthält — beispielsweise 25,9 Prozent für Wohnen inklusive Energie (Stand Basis 2020). Das Problem: Niemand konsumiert wie der statistische Durchschnitt. Eine alleinerziehende Mutter mit zwei Kindern in einer teuren Stadt hat einen ganz anderen Warenkorb als ein Single in der Provinz oder ein Rentnerpaar im eigenen Haus. Wer 40 Prozent seines Einkommens für Miete und Energie ausgibt, spürt eine Energiepreiskrise wie 2022 doppelt so stark wie der Durchschnitt — die persönliche Inflation kann dann leicht 3 Prozentpunkte über dem offiziellen Wert liegen.
Die persönliche Inflationsrate ist deshalb ein viel ehrlicheres Bild der eigenen finanziellen Realität als die Tagesschau-Zahl. Zwischen Mitte 2022 und Anfang 2023 lag die offizielle Inflation in Deutschland mehrere Monate über 8 Prozent — Haushalte mit hohem Energieanteil erlebten je nach Heizart sogar 12 bis 15 Prozent persönliche Inflation, während Haushalte mit vermietetem Wohneigentum und fixem Mietvertrag eher bei 6 bis 7 Prozent landeten. Gleichzeitig blieben digitale Dienste, Telekommunikation und Elektronik nahezu preisstabil oder verbilligten sich sogar. Ein hoher Tech-Anteil im Warenkorb dämpft die Inflation also, ein hoher Anteil an Lebensmitteln und Energie verstärkt sie.
Die persönliche Inflationsrate ist auch ein nützliches Werkzeug für Verhandlungen und Planung: Wenn deine persönliche Rate bei 5 Prozent liegt und der Tarifabschluss 2,5 Prozent bringt, weißt du, dass du real einen Kaufkraftverlust von 2,5 Prozent erleidest — ein konkretes Argument bei Lohnverhandlungen. Bei der Altersvorsorgeplanung ist die Realrendite (Nominalrendite minus persönliche Inflation) entscheidend; eine ETF-Rendite von 6 Prozent bei 4 Prozent persönlicher Inflation entspricht real nur 2 Prozent Vermögensaufbau. Wer Bargeld-Reserven hortet, verliert bei 5 Prozent persönlicher Inflation in 10 Jahren rund 40 Prozent der Kaufkraft — ein starkes Argument gegen übermäßige Cash-Quoten.
Die persönliche Inflationsrate ist der gewichtete Durchschnitt der Inflationsraten in den Konsumkategorien — mit deinen Gewichten statt denen des Statistischen Bundesamts:
persönliche_Inflationsrate = Summe ( Gewicht_i * Inflation_i ) / 100
Kaufkraft_in_n_Jahren = heutiges_Einkommen * (1 - Inflationsrate/100)^n
Die folgenden Beispiele verwenden plausible Annahmen für die jeweilige Lebenssituation.
Der Rechner ist eine Modellvereinfachung mit elf Hauptkategorien — die offizielle COICOP-Klassifikation des Statistischen Bundesamts verwendet rund 700 Einzelgüter. Innerhalb einer Kategorie können sich Preise unterschiedlich entwickeln: Wer in der Kategorie Lebensmittel nur Markenprodukte kauft, erlebt eine andere Inflation als Discounter-Käufer. Die Inflationsraten pro Kategorie schwanken zudem stark — wer mit Annahmen rechnet, sollte die aktuellen Destatis-Werte als Orientierung nutzen (online unter destatis.de unter dem Stichwort Verbraucherpreise). Außerdem ändert sich der eigene Konsum über die Zeit: Eine Familie in der Wachstumsphase hat einen anderen Warenkorb als 20 Jahre später. Der Rechner zeigt eine Momentaufnahme — keine prognostische Sicherheit. Diese Seite ist Information und Bildung, keine professionelle Finanzberatung.