Vermögen über Jahre wachsen lassen
Zinseszins bedeutet, dass die in einer Periode erwirtschafteten Zinsen nicht ausgezahlt werden, sondern dem Kapital zugeschlagen werden — sie verzinsen sich in der nächsten Periode mit. Daraus entsteht ein exponentielles Wachstum: Das Kapital steigt nicht linear, sondern zunehmend schneller. Albert Einstein soll den Zinseszins als das „achte Weltwunder" bezeichnet haben: „Wer ihn versteht, verdient ihn — wer ihn nicht versteht, bezahlt ihn." Ob das Zitat wirklich von Einstein stammt, ist historisch nicht gesichert — die Aussage selbst aber bringt das Prinzip perfekt auf den Punkt. Beim langfristigen Vermögensaufbau (Altersvorsorge, ETF-Sparplan, Investments) ist Zinseszins der wichtigste Hebel überhaupt.
Die klassische Zinseszinsformel lautet:
K_n = K_0 · (1 + p/100)^nVariablen-Erklärung:Nimm an, du startest mit einem Anfangsbetrag von 0 € und sparst 200 € pro Monat in einen breit gestreuten ETF-Sparplan. Bei einer durchschnittlichen jährlichen Rendite von 6 % (typische historische Aktienrendite nach Inflation und Gebühren) sieht es nach 30 Jahren so aus:
Eingezahlt insgesamt: 200 € · 12 · 30 = 72.000 €
Endbetrag: rund 201.000 €
Davon Zinsgewinn: ca. 129.000 € — fast das Doppelte der eigenen Einzahlung!
Mit 8 % p. a. Rendite landest du bei rund 297.000 € — also mehr als das Vierfache deiner Einzahlung. Probiere die Zahlen oben aus.
Der Zinseszinseffekt wird mit der Zeit immer stärker — die letzten Jahre tragen am meisten zum Endbetrag bei. Ein klassisches Beispiel macht das deutlich:
Anna spart 10 Jahre lang (25–35) jeweils 200 € pro Monat und lässt das Geld dann unverändert weiterlaufen.
Bert startet erst mit 35 und spart bis 65 ganze 30 Jahre lang ebenfalls 200 € pro Monat.
Bei 6 % Rendite hat Anna am Ende rund 200.000 €, obwohl sie nur 24.000 € eingezahlt hat. Bert hat ungefähr 201.000 € — bei 72.000 € Einzahlung. Anna hat fast denselben Endbetrag erreicht — mit nur einem Drittel der Einzahlungen! Zeit schlägt Geld. Wer früh anfängt, kann selbst mit kleinen Beträgen erstaunliche Summen aufbauen.
Bei einfachem Zins werden Zinsen jedes Jahr nur auf den ursprünglichen Anfangsbetrag berechnet — die bereits erwirtschafteten Zinsen vermehren sich nicht weiter. Beim Zinseszins dagegen verzinst sich auch der bereits angefallene Zinsertrag. Beispiel: 10.000 € bei 5 % p. a. über 30 Jahre:
| Jahr | Einfacher Zins | Zinseszins |
|---|---|---|
| Start | 10.000 € | 10.000 € |
| Nach 10 Jahren | 15.000 € | 16.289 € |
| Nach 20 Jahren | 20.000 € | 26.533 € |
| Nach 30 Jahren | 25.000 € | 43.219 € |
Eine wichtige Falle: Der Endbetrag in 30 Jahren ist nicht mit heutigem Geld gleichwertig. Bei einer durchschnittlichen Inflation von z. B. 2 % pro Jahr halbiert sich die Kaufkraft des Geldes etwa alle 35 Jahre. Der entscheidende Wert ist der Realzins — also dein Nominalzins minus die Inflationsrate:
Realzins ≈ Nominalzins − InflationBeispiel: 6 % Nominalzins minus 2 % Inflation = ca. 4 % Realzins. Mit dem Realzins rechnest du in der heutigen Kaufkraft. Für eine genauere Betrachtung deiner persönlichen Inflation (Lebensmittel, Energie, Wohnen) findest du auf CalcSI auch einen Personal Inflation Calculator.
Das hängt stark von Anlageform und Anlagezeitraum ab. Als grobe Orientierung, basierend auf historischen Daten (z. B. MSCI World, S&P 500 seit den 1970er-Jahren):
Tagesgeld / Sparbuch: 0–3 % p. a., meist unter der Inflation
Anleihen / Staatsanleihen: 1–4 % p. a.
Mischfonds / Robo-Advisor: 3–5 % p. a.
Breit gestreute Aktien-ETFs: langfristig (20+ Jahre) durchschnittlich 5–7 % p. a. nach Inflation, vor Inflation 7–9 %
Wichtig: Vergangene Renditen sind keine Garantie für die Zukunft, und es gibt erhebliche Schwankungen — einzelne Jahre können stark negativ sein (z. B. 2008: −38 % S&P 500). Die langfristige Durchschnittsrendite gilt nur über lange Zeiträume.
Nein. Dieser Rechner berechnet die Bruttorendite vor Steuern. In Deutschland fallen auf Kapitalerträge in der Regel 25 % Abgeltungssteuer plus Solidaritätszuschlag und ggf. Kirchensteuer an — der effektive Steuersatz liegt bei ca. 26–28 %. Zudem gibt es einen jährlichen Sparer-Pauschbetrag (1.000 € pro Person, Stand 2025). Für eine grobe Netto-Schätzung kannst du deinen Nominalzins entsprechend reduzieren (z. B. 7 % Bruttorendite ≈ 5,1 % netto). Steuerregelungen unterscheiden sich stark zwischen Ländern, daher sind sie in einem generischen Rechner nicht sinnvoll abbildbar.
Bei jährlicher Verzinsung wird der Zins einmal pro Jahr berechnet und dem Kapital gutgeschrieben. Bei monatlicher Verzinsung wird der Zins jeden Monat anteilig berechnet — was eine etwas höhere Endrendite ergibt, weil die unterjährig gutgeschriebenen Zinsen wiederum mitverzinst werden. Beispiel: 10.000 € bei 6 % Nominalzins über 1 Jahr — jährlich: 10.600 €, monatlich (6%/12 = 0,5% pro Monat): 10.616,78 €. Der Unterschied wird über Jahrzehnte spürbar. Dieser Rechner verwendet bei aktiver monatlicher Sparrate die monatliche Verzinsung, was der gängigen Praxis bei ETF-Sparplänen und Versicherungen entspricht.
Nein. Alle Berechnungen laufen ausschließlich in deinem Browser (JavaScript / Vue.js). Es werden keinerlei Anfangsbeträge, Sparraten oder Zinssätze an einen Server übertragen oder dort gespeichert. Du kannst die Seite nach einmaligem Laden auch offline nutzen.
Nein. Dieser Rechner liefert nur eine mathematische Berechnung auf Basis deiner Eingaben und ersetzt keine individuelle Anlageberatung. Aktienmärkte unterliegen erheblichen Schwankungen, Renditen sind nicht garantiert, und individuelle Faktoren wie Steuern, Risikotragfähigkeit, Lebenssituation und Anlagehorizont sind hier nicht berücksichtigt. Für konkrete Anlageentscheidungen solltest du dich an einen unabhängigen Honorarberater, deine Hausbank oder eine Verbraucherzentrale wenden.
Der entscheidende Effekt beim Zinseszins ist nicht-linear: Da das Kapital exponentiell wächst, fällt der absolute Zuwachs in den späten Jahren viel höher aus als in den frühen. Bei 10.000 Euro Startkapital, 200 Euro Monatsrate und 7 Prozent Rendite wachsen die Mittel in den ersten zehn Jahren von 10.000 auf rund 53.000 Euro — ein Plus von 43.000 Euro. In den letzten zehn Jahren eines 30-Jahres-Horizonts wachsen sie hingegen von rund 195.000 auf rund 430.000 Euro — ein Plus von 235.000 Euro bei gleichem monatlichen Einsatz. Der größte Hebel ist also der späte Lauf, nicht der frühe. Genau deshalb ist Durchhalten so wichtig und das Aussteigen aus einem Sparplan nach 15 Jahren wirtschaftlich oft die teuerste Entscheidung des Lebens.
Ein zweiter, oft übersehener Punkt: Inflation reduziert den realen Wert des Endbetrags spürbar. Bei 2 Prozent Inflation über 30 Jahre verliert ein Euro rund 45 Prozent seiner Kaufkraft. Aus 430.000 Euro Nominalwert werden also kaufkraftbereinigt etwa 237.000 Euro in heutiger Kaufkraft. Bei 4 Prozent Inflation — wie zeitweise 2022/23 in Europa — sind es nur noch rund 133.000 Euro. Deshalb sollte beim langfristigen Sparen nicht der Nominalzins sondern der erwartete Realzins (Nominalzins minus Inflation) im Mittelpunkt stehen. Wer mit 5 Prozent nominal rechnet und 3 Prozent Inflation einplant, sollte die Modellrechnung gedanklich mit 2 Prozent durchspielen, um den realen Vermögensaufbau zu sehen.
Die folgenden Szenarien gehen von einer konstanten Rendite aus — die Realität schwankt, aber die Größenordnungen sind aussagekräftig.
Der Rechner verwendet eine konstante Rendite — reale Märkte schwanken jedoch erheblich. Zwischen 2000 und 2010 lag die Rendite eines MSCI-World-Anlegers nahe null, zwischen 2010 und 2020 deutlich über dem historischen Mittel. Wer in einer schlechten Dekade mit der Auszahlphase beginnt, kann erhebliche Einbußen erleiden (Sequence-of-Returns-Risiko). Ebenfalls nicht berücksichtigt: Steuern (in Deutschland 26,375 % Abgeltungsteuer auf Gewinne), Fondsgebühren (ETF-TER typisch 0,1 bis 0,5 % p. a.), Vorabpauschale, Sparerpauschbetrag von 1.000 Euro pro Jahr und mögliche Sondereinflüsse wie Währungsrisiken bei nicht-Euro-Anlagen. Der Rechner ist ein didaktisches Werkzeug, kein Prognose-Instrument. Für konkrete Anlageentscheidungen bei größeren Summen lohnt sich ein unabhängiger Honorarberater. Diese Seite ist Information, keine Anlageberatung.
Dieser Rechner dient ausschließlich zur unverbindlichen Orientierung und ersetzt keine professionelle Finanz- oder Anlageberatung. Die hier dargestellten Berechnungen basieren auf vereinfachten Annahmen (konstante Rendite, keine Steuern, keine Gebühren). Echte Marktrenditen sind volatil und nicht garantiert. Wertpapiere und ETFs können erheblich an Wert verlieren — auch ein Totalverlust ist möglich. Vor Anlageentscheidungen solltest du dich unbedingt von einem unabhängigen Finanzberater oder einer Verbraucherzentrale beraten lassen. Die Ergebnisse sind nicht rechtsverbindlich und stellen keine Anlage-, Steuer- oder Rechtsberatung dar.