320 € im Monat sparen — danach lebenslang gratis Bahn fahren
Seit Januar 2026 kostet das Deutschlandticket 63 Euro pro Monat — und ab 2027 wird der Preis nach einem neuen Kostenindex aus Personal- und Energiekosten ermittelt, was eine weitere Erhöhung praktisch garantiert. Statt jedes Jahr mehr zu zahlen, lässt sich die Rechnung umdrehen: einmal Kapital aufbauen, dann das Ticket dauerhaft aus den Zinsen finanzieren. Wir zeigen die nötigen Beträge bei vier verschiedenen Plattformen — Bondora, Mintos, Trade Republic und eToro — und rechnen aus, was du monatlich über 12, 24 oder 36 Monate sparen müsstest, um dort hinzukommen.
Was bisher mit dem Deutschlandticket passiert ist
Das Deutschlandticket startete im Mai 2023 zu 49 Euro pro Monat als bundesweiter ÖPNV-Flatrate-Tarif. Nach gut einem Jahr wurde die Skepsis konkret: Bund und Länder konnten die jährliche Lücke von etwa 3 Milliarden Euro nicht beliebig schließen. Im Januar 2025 stieg der Preis auf 58 Euro, ein Jahr später, im Januar 2026, auf die heutigen 63 Euro pro Monat — ein Plus von rund 28 Prozent gegenüber dem Startpreis innerhalb von zweieinhalb Jahren.
Im November 2025 hat der Bundestag die Finanzierung bis 2030 abgesichert: Bund und Länder zahlen jeweils 1,5 Milliarden Euro pro Jahr. Aber: Ab 2027 wird der Preis nicht mehr politisch festgesetzt, sondern entlang eines Kostenindex aus Personal-, Energie- und allgemeinen Betriebskosten berechnet. In einer Welt, in der Lohn- und Energiekosten regelmäßig zwei bis vier Prozent pro Jahr steigen, ist die Richtung klar — nur das Tempo ist offen.
Die Idee in einem Satz
Bau einmal genug Kapital auf, dass die jährlichen Zinsen das Deutschlandticket bezahlen — dann hast du das Ticket faktisch lebenslang umsonst, egal wie oft der Preis noch steigt.
Die Mathematik dahinter
Das Deutschlandticket kostet 2026 genau 63 × 12 = 756 Euro im Jahr. Damit die Zinsen aus einer Anlage diesen Betrag decken, brauchst du ein Kapital von 756 € / Zinssatz. Konkret:
- Bei 6 % p.a. (Bondora Go & Grow): 12.600 €
- Bei 9 % p.a. (Mintos konservativ angesetzt): 8.400 €
- Bei 3,55 % p.a. (eToro USD-Cash): 21.296 €
- Bei 2,25 % p.a. (Trade Republic EUR-Cash): 33.600 €
Zum Vergleich: Eine BahnCard 100 in der 2. Klasse kostet 2026 ganze 4.899 Euro pro Jahr. Das Bondora-Ziel von 12.600 Euro entspricht also rund 2,6 Jahren BahnCard-100-Beitrag — die Mintos-Variante sogar nur 1,7 Jahren. Anders gesagt: Wer sich gerade eine BahnCard 100 leistet, könnte das Geld stattdessen zwei bis drei Jahre lang investieren und danach nicht nur das Deutschlandticket umsonst haben, sondern in vielen Regionen sogar im Nahverkehr besser fahren.
Vier Wege, das nötige Kapital aufzubauen
1. Bondora Go & Grow — der Mittelweg
Bondora Go & Grow ist das wahrscheinlich bekannteste P2P-Produkt im deutschsprachigen Raum. Seit April 2025 liegt der Zielzinssatz bei 6,0 Prozent pro Jahr (vorher 6,75 %). Die Zinsen werden täglich gutgeschrieben und automatisch reinvestiert — der Zinseszins läuft also auf täglicher Basis. Du kannst dein Geld in der Regel innerhalb von einem Tag wieder abziehen (1 € Auszahlungsgebühr pro Abhebung).
Wichtig: Hinter Go & Grow stehen echte P2P-Konsumkredite, hauptsächlich in Estland, Finnland und den baltischen Staaten. Es gibt keine Einlagensicherung — die 6 % sind eine Plattform-interne Zielgröße, keine Garantie. In Krisenphasen (siehe 2020 bei vielen P2P-Plattformen) kann es zu Auszahlungsverzögerungen kommen. Für die Strategie "Zinsen finanzieren mein Ticket" ist die Plattform aber gut geeignet: Ziel-Kapital 12.600 €, Auszahlung läuft solange die Plattform existiert.
Bondora Go & Grow ausprobieren →
2. Mintos — höhere Rendite, höheres Risiko
Mintos ist der größere europäische P2P-Marktplatz und wird von der estnischen Finanzaufsicht reguliert (MiFID II). Die beworbene durchschnittliche Rendite liegt bei rund 11,5 % p.a., realistische Netto-Ergebnisse von langjährigen Anlegern bewegen sich zwischen 8 und 11 Prozent — wir rechnen hier konservativ mit 9 %. Das Ziel-Kapital von 8.400 € ist die niedrigste Hürde aller vier Optionen.
Der Haken ist offensichtlich: Mintos ist deutlich volatiler als Bondora. 2020 fielen die Netto-Renditen nach einer Default-Welle auf rund 2,4 % — wer damals Geld auszahlen wollte, kam teilweise nur über den Zweitmarkt mit Abschlag heraus. Für die Strategie eignet sich Mintos vor allem, wenn man die Diversifikation aktiv steuert (mehrere Loan Originators, kürzere Laufzeiten, Buyback-Garantie) und einen Puffer einplant.
3. Trade Republic — Tagesgeld mit Einlagensicherung
Trade Republic zahlt seit dem 17. Juni 2026, nach der jüngsten EZB-Erhöhung des Einlagenzinses, 2,25 % pro Jahr auf uninvestierte Euro-Guthaben. Die Zinsen werden täglich berechnet, monatlich ausgezahlt und das Guthaben liegt bei deutschen Partnerbanken wie der Deutschen Bank mit voller EU-Einlagensicherung von 100.000 Euro pro Person und Bank. Sicherer geht es kaum.
Der Preis dieser Sicherheit: Das Ziel-Kapital steigt auf 33.600 €. Wer realistisch über 24 Monate sparen will, müsste fast 1.400 € pro Monat zur Seite legen — für die meisten Haushalte unrealistisch. Trade Republic eignet sich daher eher als "sicherer Hafen" für den ohnehin angesparten Notgroschen, der nebenbei das Deutschlandticket finanziert, wenn man es schon mit 30k+ aufgebaut hat. Außerdem hängt der Zinssatz direkt am EZB-Einlagensatz — geht die EZB zurück auf 1 %, halbieren sich auch die Trade-Republic-Zinsen.
4. eToro — der ETF-Umweg
eToro zahlt Cash-Zinsen nur auf USD-Guthaben (aktuell 3,55 bis 4 % p.a.), nicht auf Euro — wer hier Geld parken will, geht ein Wechselkursrisiko EUR/USD ein, das die Rendite jederzeit auffressen kann. Realistischer ist es, eToro als Broker für einen breit gestreuten Welt-ETF mit Dividendenfokus zu nutzen. Ein Vanguard FTSE All-World High Dividend Yield ETF schüttet aktuell rund 3 Prozent pro Jahr aus, ein klassischer FTSE All-World ETF mit Ausschüttung rund 1,8 Prozent. Bei 3 % Ausschüttung läge das Ziel-Kapital bei rund 25.000 € — dafür hast du zusätzlich Wertsteigerung des ETFs, die das Inflations-Risiko abfedert.
Hier wird die Strategie aber zur Aktien-Anlage mit allen üblichen Schwankungen. Wer sie wählt, sollte den Welt-ETF mindestens 7-10 Jahre halten, damit kurze Kursschwächen ausgesessen werden können. Für die reine "Zinsen pro Jahr"-Rechnung ist eToro nicht erste Wahl, für die Variante "Dividenden-ETF deckt das Ticket" aber durchaus interessant.
Was musst du monatlich sparen, um dorthin zu kommen?
Hier wird die Strategie konkret. Die folgende Tabelle zeigt, wie viel du jeden Monat zur Seite legen müsstest, damit das Kapital bei der angegebenen Plattform-Rendite das Ziel-Kapital erreicht — bei der Plattform-Verzinsung selbst, mit monatlicher Verzinsung und Wiederanlage:
| Plattform | Zinssatz | Ziel-Kapital | Einmal-Anlage | Sparrate 12 Mt. | Sparrate 24 Mt. | Sparrate 36 Mt. |
|---|---|---|---|---|---|---|
| Bondora Go & Grow | 6,00 % | 12.600 € | 12.600 € | 1.021 € | 495 € | 320 € |
| Mintos (9 % konservativ) | 9,00 % | 8.400 € | 8.400 € | 672 € | 321 € | 204 € |
| eToro USD-Cash / Div-ETF | 3,55 % | 21.296 € | 21.296 € | 1.746 € | 858 € | 561 € |
| Trade Republic EUR-Cash | 2,25 % | 33.600 € | 33.600 € | 2.771 € | 1.370 € | 903 € |
Die interessante Beobachtung: Bei Mintos reichen 321 € monatlich über 24 Monate — das ist genau der heutige Preis eines Halbjahres-Deutschlandtickets. Wer also seinen Pendelweg sowieso teurer gestaltet, kann mit etwas Disziplin in zwei Jahren ein lebenslanges Ticket bauen. Bei Bondora liegt die 24-Monats-Sparrate bei 495 €, also etwas weniger als der monatliche BahnCard-100-2.-Klasse-Beitrag (~408 €/Monat) — auch noch in der Reichweite von Vielfahrern.
Ein Realitäts-Check: die "2 Jahre BahnCard 100"-Variante
Die plakative Faustregel: Wer sich 2 Jahre lang die BahnCard 100 in der 2. Klasse leisten kann (also 9.798 € investiert statt für Bahntickets ausgibt), kommt mit Mintos schon über das Ziel hinaus — bei Bondora fehlen nur 12 Prozent. Konkret nach 24 Monaten Einmal-Anlage von 9.798 €:
- Bondora 6 %: Endkapital 11.044 €, daraus 663 € Zinsen pro Jahr — das deckt 87,7 % des Deutschlandtickets, also rund 10,5 von 12 Monaten
- Mintos 9 %: Endkapital 11.722 €, daraus 1.055 € Zinsen pro Jahr — das deckt 139,6 % des Tickets, also Ticket + rund 300 € Puffer fürs Steueramt
- Trade Republic 2,25 %: Endkapital 10.249 €, daraus 231 € Zinsen — deckt nur 30 % des Tickets (knapp 4 Monate)
- eToro 3,55 %: Endkapital 10.518 €, daraus 373 € Zinsen — deckt 49 % (knapp 6 Monate)
Wer also bisher überlegt hat, ob sich die BahnCard 100 lohnt: Statt jedes Jahr 4.899 Euro für Tickets auszugeben, kannst du das Geld auch zwei Jahre lang in Bondora oder Mintos stecken — und ab Jahr drei zahlst du dein Deutschlandticket aus den Zinsen, oben drauf hast du noch Geld für ICE-Sparpreise an den 10–15 Bahn-Wochenenden pro Jahr.
Was du wirklich brauchst — die ehrliche Zusammenfassung
Die Strategie funktioniert. Aber sie ist kein Selbstläufer — sie braucht drei Dinge:
- Disziplin über mindestens 24 Monate. 320 bis 495 € pro Monat sind machbar, aber nur wenn das Geld automatisch vom Girokonto abgeht und du nicht jedes Quartal nachoptimierst.
- Risiko-Toleranz. Wer Bondora oder Mintos wählt, akzeptiert P2P-Risiko ohne Einlagensicherung. Wer Trade Republic wählt, akzeptiert dafür ein vier Mal höheres Ziel-Kapital.
- Steuerliche Realität. Auf alle Zinsen fällt in Deutschland 25 % Kapitalertragsteuer plus Solidaritätszuschlag und ggf. Kirchensteuer an — effektiv etwa 26,4 bis 27,9 %. Wer 756 € Brutto-Zinsen will, braucht netto eigentlich rund 1.030 €, was bei Bondora auf etwa 17.200 € Ziel-Kapital hinausläuft. Der Sparerpauschbetrag von 1.000 € pro Person (2.000 € für Verheiratete) federt das ab — solange die Zinsen unter dieser Grenze bleiben, fällt keine Steuer an. Bei einer Einzelperson reichen die 12.600 € bei Bondora also genau passend.
Häufige Fragen
Funktioniert das auch ohne Bondora/Mintos, mit einem klassischen ETF-Sparplan?
Ja, aber anders. Ein Welt-ETF mit thesaurierender Bauart (z.B. iShares Core MSCI World) wirft langfristig rund 6–7 % nominale Rendite ab, davon aber nur 1,5–2 % als Ausschüttung. Wer "Ticket aus Zinsen" wörtlich nimmt, muss zu Dividenden-ETFs greifen (FTSE All-World High Dividend Yield, Vanguard Global High Dividend) — diese schütten 3–4 % aus, allerdings mit niedrigerer Wertsteigerung. Über 10+ Jahre ist die Total Return meist ähnlich, das Risiko ein bisschen anders verteilt.
Was passiert, wenn Bondora den Zinssatz weiter senkt?
Dann sinken deine Erträge entsprechend. Bondora hat den Satz von 6,75 % auf 6 % gesenkt — wenn er auf 5 % geht, brauchst du ein 20 % höheres Ziel-Kapital, um das Ticket weiter zu decken. Eine realistische Pufferregel: rechne mit dem Zinssatz minus 1 Prozentpunkt, dann hast du Spielraum für Zinssenkungen.
Lohnt sich die Strategie auch, wenn ich aktuell gar kein Deutschlandticket nutze?
Wenn du nicht regelmäßig ÖPNV fährst, ist der Hebel kleiner. Die Strategie funktioniert dann aber für jedes Abo, das eine ähnliche Größenordnung hat: Fitness-Studio (~600 €/Jahr → 10.000 € bei 6 %), Streaming-Bundle (~250 €/Jahr → 4.200 €) oder ein iPhone Pro alle zwei Jahre. Das Prinzip ist immer dasselbe: Einmal Kapital aufbauen, dann jährliche Ausgabe aus Zinsen decken.
Was, wenn das Deutschlandticket ab 2027 doch auf 80 oder 90 € steigt?
Der Index ab 2027 wird sich an Personal- und Energiekosten orientieren — bei der historischen Entwicklung sind 75 € im Januar 2027 und 85 € im Januar 2028 plausibel. Bei 85 € (= 1.020 €/Jahr) brauchst du bei 6 % Bondora-Zinsen ein Kapital von 17.000 € — etwa 35 % mehr als heute. Wer den Puffer einplant und gleich auf 17.000–20.000 € spart, ist auch für zwei bis drei Jahre Index-Erhöhungen abgesichert.
Wie sicher sind 6 % bei Bondora langfristig?
Bondora veröffentlicht seit 2014 monatlich Statistiken. Über zehn Jahre Plattform-Historie wurde der Zielzinssatz immer ausgezahlt, allerdings mit den 2020-Auszahlungsverzögerungen während der COVID-Welle. Für eine reine "Buy and hold"-Strategie ist die Plattform robust gewesen — wer aber kurzfristig schnell viel Liquidität braucht, sollte einen Teil bei Trade Republic parken.
Affiliate-Hinweis: Dieser Artikel enthält Affiliate-Links zu Bondora, Mintos, Trade Republic und eToro. Wenn du über diese Links ein Konto eröffnest, erhalten wir eine kleine Provision — das beeinflusst weder die Auswahl der Plattformen noch unsere Einschätzung.
Kommentare
Die Kommentare werden von Disqus bereitgestellt. Bevor sie geladen werden, brauchen wir deine Einwilligung — Disqus ist ein Drittanbieter und setzt eigene Cookies.